DeepAgents

Harness-Ansatz für Planning, Filesystem und Sub-Agenten — provider-agnostisch, MIT-lizenziert


Inhaltsverzeichnis

  1. Kurzüberblick: Was ist DeepAgents?
    1. Herkunft
    2. Kernbausteine
  2. Wann DeepAgents, wann LangGraph?
  3. Das kleinstmögliche funktionierende Beispiel
    1. Installation
    2. Ein einfaches Tool
    3. Agent erzeugen
    4. Agent ausführen
    5. Alle create_deep_agent()-Parameter
  4. Die Grundidee: Planning, Dateien, Delegation
    1. Planning — und die No-Op-Einsicht
    2. Dateien statt nur Chat-History — und austauschbare Backends
    3. Sub-Agenten
  5. Eigene Tools ergänzen
  6. Einfacher Sub-Agent
  7. Profiles API (neu seit 0.5.4)
  8. Middleware (experimentell, ab 0.6.0)
  9. CLI und erweiterte Features
    1. Installation der CLI
    2. Was die CLI hinzufügt
    3. MCP-Support
    4. Langzeitgedächtnis
  10. Provider-Agnostik: Das zentrale Versprechen
    1. Vergleich: DeepAgents vs. Claude Agent SDK vs. Codex SDK
  11. Was intern passiert
  12. Grenzen und Debugging
    1. Typische Grenzen
    2. Reifegrad (Stand 0.6.1)
    3. Das “Trust the LLM”-Modell und Security
    4. Praktische Hinweise
  13. Einordnung im Kurskontext
  14. Zusammenfassung
  15. Abgrenzung zu verwandten Dokumenten

Kurzüberblick: Was ist DeepAgents?

DeepAgents ist eine zusätzliche Abstraktionsschicht im LangChain-Ökosystem. Während LangGraph Workflows explizit über State, Nodes und Edges modelliert, liefert DeepAgents ein bereits vorbereitetes Harness für typische agentische Langläufer-Aufgaben.

Herkunft

LangChain hat DeepAgents explizit als Open-Source-Umsetzung der Claude-Code-Architektur veröffentlicht — aus dem README:

“This project was primarily inspired by Claude Code, and initially was largely an attempt to see what made Claude Code general purpose, and make it even more so.”

Ziel war nicht, Claude Code zu kopieren, sondern die Kernarchitektur zu verstehen, zu verallgemeinern und provider-agnostisch zugänglich zu machen. MIT-Lizenz. Kostenlos.

Kernbausteine

  • Planning über eingebaute Todo-Mechanismen
  • Filesystem-Zugriff über Lese-/Schreibwerkzeuge mit austauschbaren Backends
  • Sub-Agenten für delegierte Teilaufgaben
  • Tool-Integration für Recherche, APIs oder Code
  • Persistentes Gedächtnis über LangGraph Memory Store

Kurz gesagt:

  • LangGraph = maximale Kontrolle
  • DeepAgents = weniger Boilerplate, mehr eingebaute Infrastruktur

DeepAgents eignet sich besonders für:

  • Recherche mit mehreren Zwischenschritten
  • Sammeln und Ablegen von Notizen
  • Delegation an spezialisierte Unteragenten
  • Längere Aufgaben mit Zwischenständen und Plananpassung

Ein kompakter Architektur-Blick:

flowchart LR
    U[Anfrage] --> O[DeepAgent Orchestrator]
    O --> P[Planning]
    O --> T[Tools]
    O --> S[Sub-Agenten]
    O --> F[Dateien / Backends]
    P --> O
    T --> O
    S --> O
    F --> O
    O --> A[Ergebnis]

Wann DeepAgents, wann LangGraph?

DeepAgents ist kein Ersatz für LangGraph, sondern eine bequeme Schicht darüber.

Frage Eher LangGraph Eher DeepAgents
Muss jeder Schritt exakt kontrolliert werden? Ja Nein
Sollen Routing und State vollständig sichtbar sein? Ja Nur teilweise
Soll ein Agent autonom planen und Dateien nutzen? Mit Eigenbau Direkt eingebaut
Werden Sub-Agenten als Komfortfunktion gebraucht? Aufwändiger Direkt vorgesehen
Steht Lerntransparenz im Vordergrund? Stärker geeignet Nur bedingt
Müssen verschiedene Modellanbieter verglichen werden? Aufwändig Direkt unterstützt

Faustregel: Wenn Kontrolle und Nachvollziehbarkeit im Vordergrund stehen, ist LangGraph meist die bessere Wahl. Wenn ein autonomer Agent mit Planning, Dateien und Delegation schnell aufgebaut werden soll, ist DeepAgents oft der direktere Weg.

Als schnelle Orientierung:

flowchart TD
    A[Neue Agenten-Aufgabe] --> B{Jeder Schritt<br>explizit steuerbar?}
    B -->|Ja| C[LangGraph]
    B -->|Nein| D{Planning, Dateien oder<br>Sub-Agenten wichtig?}
    D -->|Ja| E[DeepAgents]
    D -->|Nein| F[LangGraph oder einfacher Agent]

Das kleinstmögliche funktionierende Beispiel

Der schnellste Zugang ist ein Minimalbeispiel mit einem Tool und einem DeepAgent.

Installation

pip install deepagents

Je nach eingesetztem Modellanbieter werden zusätzlich die passenden Provider-Pakete und API-Schlüssel benötigt.

Ein einfaches Tool

from langchain_core.tools import tool

@tool
def begriff_erklaeren(begriff: str) -> str:
    """Erklärt einen KI-Begriff in einem Satz."""
    glossar = {
        "langgraph": "LangGraph ist ein Framework für zustandsbasierte Workflows mit Nodes und Edges.",
        "harness": "Ein Harness ist ein Rahmengerüst, das Planung, Dateien und Delegation bereitstellt.",
        "deepagents": "DeepAgents ist ein LangChain-Harness für planende, dateibasierte Agenten mit Sub-Agenten.",
    }
    return glossar.get(begriff.lower(), f"Kein Eintrag für: {begriff}")

Agent erzeugen

from deepagents import create_deep_agent
from langchain.chat_models import init_chat_model

agent = create_deep_agent(
    model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini", temperature=0.0),
    tools=[begriff_erklaeren],
    system_prompt=(
        "Ein kompakter Kurs-Assistent für agentische Systeme. "
        "Werkzeuge gezielt nutzen und auf Deutsch antworten."
    ),
    # Weitere praxisrelevante Parameter:
    # interrupt_on={"tool_names": ["write_file"]},  # HITL vor bestimmten Tools
    # memory=["AGENTS.md"],                          # Kontext-Dateien beim Start laden
    # skills=["path/to/SKILL.md"],                   # SKILL.md-Dateien laden (→ M33/M34)
)

Agent ausführen

result = agent.invoke({
    "messages": [
        {"role": "user", "content": "Was ist ein Harness und was ist DeepAgents?"}
    ]
})

print(result["messages"][-1].content)

Ergebnis: Ein lauffähiger Agent mit eingebauter Harness-Struktur, ohne dass StateGraph, Routing-Funktionen oder Schleifen manuell modelliert werden mussten.

create_deep_agent() gibt einen kompilierten LangGraph-Graphen zurück — Streaming, LangGraph Studio, Checkpointer und Persistenz funktionieren damit automatisch.

Alle create_deep_agent()-Parameter

Parameter Beschreibung
model LangChain-Chatmodell (init_chat_model(...))
tools Liste eigener Tools
system_prompt Systemrolle des Agenten
subagents Liste von Sub-Agent-Dicts
interrupt_on HITL-Freigabe vor bestimmten Tools
memory Kontext-Dateien (z.B. AGENTS.md) beim Start laden
skills SKILL.md-Dateien laden
permissions Filesystem-Zugriffsrechte (list[FilesystemPermission], seit 0.5.2)
response_format Strukturierte Ausgabe — Pydantic-Modell oder dict (seit 0.5.1)
name Agent-Name für LangSmith-Tracing
cache Response-Caching — BaseCache-Instanz
backend Filesystem-Backend — In-Memory, Local, LangGraph Store oder Sandbox
store LangGraph Memory Store für thread-übergreifende Persistenz
context_schema Pydantic-Schema für den geteilten Agenten-Kontext
debug Debug-Ausgaben aktivieren

Die Grundidee: Planning, Dateien, Delegation

DeepAgents wird leichter verständlich, wenn die drei Kernideen getrennt betrachtet werden.

Planning — und die No-Op-Einsicht

Das Harness kann Aufgaben in Teilschritte zerlegen und diese intern als Arbeitsplan verwalten.

Die wichtigste Erkenntnis: Das eingebaute write_todos-Tool ist ein No-Op — es führt nichts aus. Es schreibt lediglich eine Aufgabenliste.

Das klingt zunächst trivial, ist aber das Herzstück der Architektur:

Das Tool tut nichts. Aber der Akt des Planens hält den Agenten über viele Schritte auf Kurs.

Das ist kein Bug, sondern bewusstes Context Engineering: Das Modell formuliert einen Plan, hält ihn im Kontext und passt ihn bei neuen Informationen an. So bleiben auch lange Aufgaben fokussiert — nicht weil ein Mechanismus den Agenten zwingt, sondern weil das Niederschreiben des Plans bereits die Aufmerksamkeit lenkt.

Typischer Nutzen:

  • Mehrstufige Aufgaben werden expliziter
  • Zwischenschritte bleiben nachvollziehbarer
  • Neue Informationen können in den Plan zurückfließen

Merksatz: Nicht nur reagieren, sondern Arbeitsschritte sichtbar organisieren.

Dateien statt nur Chat-History — und austauschbare Backends

DeepAgents arbeitet nicht nur mit Nachrichten, sondern kann Informationen in Dateien ablegen und später wieder lesen.

Das ist besonders nützlich für:

  • Längere Recherchen
  • Notizen und Zwischenstände
  • Strukturierte Ergebnisablage
  • Entlastung des Chat-Kontexts

Pluggable Filesystem Backends — der Ablageort ist konfigurierbar:

Backend Verwendung
In-Memory Tests, kurzlebige Aufgaben
Local Disk Lokale Entwicklung
LangGraph Store Thread-übergreifende Persistenz
Sandboxes (Modal, Daytona, Deno) Isolierte Code-Ausführung in der Cloud
Custom Backend Eigenentwicklung für spezielle Anforderungen

Das Backend lässt sich austauschen, ohne die Agent-Logik zu ändern.

Merksatz: Wissen wird ausgelagert, statt nur im Nachrichtenverlauf mitgeschleppt zu werden.

Sub-Agenten

Teilaufgaben können an spezialisierte Sub-Agenten delegiert werden. Jeder Sub-Agent arbeitet mit eigener History und klarer Rolle.

Beispiele:

  • Recherche-Agent
  • Schreib-Agent
  • Analyse-Agent

Merksatz: Der Hauptagent koordiniert, Spezialisten bearbeiten Teilprobleme.


Eigene Tools ergänzen

DeepAgents lebt von kleinen, klaren Werkzeugen.

Ein typisches Muster:

@tool
def kurs_thema_info(thema: str) -> str:
    """Liefert Kurzinfos zu einem Kursthema."""
    daten = {
        "routing": "Bedingte Ablaufsteuerung in Graphen.",
        "checkpointing": "Speichern und Wiederaufnehmen von Sitzungen.",
        "supervisor": "Koordinator-Agent für mehrere spezialisierte Worker.",
    }
    return daten.get(thema.lower(), "Kein Eintrag gefunden.")

Anschließend wird das Tool einfach beim Agenten registriert:

agent = create_deep_agent(
    model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini", temperature=0.0),
    tools=[begriff_erklaeren, kurs_thema_info],
    system_prompt="Ein deutschsprachiger Kurs-Assistent.",
)

Bewährte Regeln:

  • Pro Tool eine klar abgegrenzte Aufgabe
  • Präziser Docstring
  • Sprechende Parameternamen
  • Einfache, serialisierbare Rückgaben

Einfacher Sub-Agent

Sub-Agenten werden als Konfigurationsobjekte beschrieben und dem Hauptagenten übergeben.

research_subagent = {
    "name": "recherche",
    "description": "Sammelt gezielt Fachinformationen zu agentischen Konzepten",
    "system_prompt": (
        "Spezialisierter Recherche-Agent. "
        "Knappe, saubere Fachzusammenfassungen auf Deutsch liefern."
    ),
    "tools": [begriff_erklaeren, kurs_thema_info],
    # "model": "openai:gpt-4o",  # Optional: eigenes Modell seit 0.4.11
}

Vollständige SubAgent-Dict Felder:

Feld Pflicht Beschreibung
name Interner Name des Sub-Agenten
description Erklärt dem Hauptagenten wann er zu rufen ist
system_prompt Rolle und Verhalten des Sub-Agenten
tools Tools (sonst: erbt vom Hauptagenten)
model Eigenes Modell pro Sub-Agent (seit 0.4.11)
middleware Eigene Middleware für Sub-Agent-Tools
interrupt_on Freigabe vor bestimmten Tools dieses Sub-Agenten
skills SKILL.md-Dateien für den Sub-Agenten
permissions Filesystem-Zugriffsrechte einschränken (neu seit 0.5.2)
response_format Strukturierte Ausgabe des Sub-Agenten (neu seit 0.5.1)

Der Hauptagent erhält diesen Sub-Agenten beim Erstellen:

agent = create_deep_agent(
    model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini", temperature=0.0),
    tools=[],
    subagents=[research_subagent],
    system_prompt=(
        "Ein Koordinator-Agent. "
        "Recherche-Aufgaben bei Bedarf an den Sub-Agenten delegieren."
    ),
)

Der wichtige Punkt: Der Hauptagent sieht am Ende vor allem das Ergebnis der Teilaufgabe, nicht jede interne Einzelaktion des Sub-Agenten.


Profiles API (neu seit 0.5.4)

Die Profiles API erlaubt einen deklarativen Override-Layer für modell-spezifische Konfiguration. Eingebaute Profile existieren für OpenAI und Anthropic und liefern laut Benchmark +10–20 Punkte Verbesserung ohne Code-Änderungen.

from deepagents.profiles import HarnessProfile, ProviderProfile, register_harness_profile

# Eigenes Profil registrieren
my_profile = HarnessProfile(
    provider=ProviderProfile.OPENAI,
    system_prompt_suffix="Antworte immer auf Deutsch.",
)
register_harness_profile(my_profile)

# Agent nutzt automatisch das registrierte Profil
agent = create_deep_agent(
    model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini"),
    tools=[mein_tool],
)

Für die meisten Notebook-Szenarien ist kein eigenes Profil nötig — die eingebauten Profile wirken automatisch.


Middleware (experimentell, ab 0.6.0)

Middleware erlaubt es, Tool-Aufrufe transparent zu wrappen — ohne die Tools selbst zu ändern. Sie wird als Liste an create_deep_agent() oder an einzelne Sub-Agent-Dicts übergeben.

Middleware-Klasse Paket Beschreibung
LoggingMiddleware deepagents Loggt jeden Tool-Call mit Input/Output
RateLimitMiddleware deepagents Begrenzt Tool-Calls pro Zeiteinheit
RetryMiddleware deepagents Automatische Wiederholungen bei transienten Fehlern
CacheMiddleware deepagents Cached Tool-Ergebnisse (identische Inputs)
CodeInterpreterMiddleware deepagents[quickjs] JavaScript im Browser-Sandbox ausführen (experimentell, neu in 0.6.0)
from deepagents.middleware import LoggingMiddleware, RetryMiddleware

agent = create_deep_agent(
    model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini"),
    tools=[mein_tool],
    middleware=[LoggingMiddleware(), RetryMiddleware(max_retries=3)],
)

CodeInterpreterMiddleware erfordert das Zusatz-Paket:

pip install deepagents[quickjs]

⚠️ CodeInterpreterMiddleware ist als experimentell markiert — API kann sich noch ändern.


CLI und erweiterte Features

Neben dem Python-SDK gibt es eine eigenständige DeepAgents CLI — die interaktive Terminal-Variante für den direkten Einsatz.

Installation der CLI

# Linux / Mac
curl -LsSf https://raw.githubusercontent.com/langchain-ai/deepagents/main/libs/cli/scripts/install.sh | bash

Was die CLI hinzufügt

Feature SDK CLI
Tools registrieren
Sub-Agenten
Filesystem Backends
Web-Suche
Remote-Sandboxes
Persistentes Gedächtnis
Human-in-the-Loop Approval
Custom Skills

MCP-Support

DeepAgents unterstützt das Model Context Protocol (MCP) via langchain-mcp-adapters. Bereits konfigurierte MCP-Server (z. B. Google Workspace, Notion, Slack) können direkt verwendet werden.

Langzeitgedächtnis

Über den LangGraph Memory Store kann der Agent Informationen thread-übergreifend speichern. Vorherige Gespräche und deren Kontext bleiben erhalten.


Provider-Agnostik: Das zentrale Versprechen

Der wichtigste Unterschied zu Claude Code oder Codex: DeepAgents ist modellunabhängig.

Dieselbe Harness-Architektur läuft mit jedem der 100+ LangChain-kompatiblen Modellanbieter.

# OpenAI
agent = create_deep_agent(model=init_chat_model("openai:gpt-4o-mini", temperature=0.0), ...)

# Anthropic
agent = create_deep_agent(model=init_chat_model("anthropic:claude-3-5-sonnet"), ...)

# Google
agent = create_deep_agent(model=init_chat_model("google_vertexai:gemini-2.0-flash"), ...)

Der Wechsel erfordert nur eine Zeile — Planning, Tools, Sub-Agenten und Filesystem bleiben unverändert.

Das ist besonders relevant, wenn:

  • Verschiedene Modelle für denselben Agenten verglichen werden sollen
  • Organisationsrichtlinien Multi-Provider-Unterstützung erfordern
  • Kosten zwischen Anbietern optimiert werden sollen

Vergleich: DeepAgents vs. Claude Agent SDK vs. Codex SDK

Kriterium DeepAgents Claude Agent SDK Codex SDK
Modellanbieter 100+ (provider-agnostisch) Anthropic (Claude) OpenAI (GPT/Codex)
Lizenz MIT
Planning / Filesystem Eingebaut Teils Teils
Produktionsreife Neu (2026) Erprobt (>1 Jahr) Erprobt
LangGraph-Integration Nativ
MCP-Support Ja Ja Nein
Human-in-the-Loop Ja (CLI) Ja Nein

Wo Claude Agent SDK überlegen bleibt: Straffere Claude-Integration, native Permission-Modelle, Session-Management, und über ein Jahr Produktionsreife mit Millionen realer Interaktionen. Für exklusive Claude-Projekte ist der Agent SDK die erste Wahl.

Wo DeepAgents gewinnt: Modellfreiheit, pluggable Backends, Unabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.


Was intern passiert

Auch wenn das Harness viel Arbeit abnimmt, läuft darunter weiterhin ein agentischer Workflow ab:

  1. Eine Anfrage trifft ein.
  2. Das Harness plant oder verfeinert Teilschritte (write_todos — No-Op).
  3. Tools oder Sub-Agenten werden aufgerufen.
  4. Ergebnisse werden im Kontext oder in Dateien abgelegt.
  5. Der Plan wird angepasst, bis ein Endergebnis vorliegt.

Das ist der zentrale Unterschied zu einfachen Loop-Agenten:

  • flacher Agent: Anfrage → Tool-Call → Antwort
  • DeepAgent: Anfrage → Plan → Teilaufgaben → Zwischenstände → Überarbeitung → Ergebnis
flowchart TD
    U[Anfrage] --> P[Plan erstellen oder aktualisieren]
    P --> D{Teilaufgabe delegieren?}
    D -->|Ja| S[Sub-Agent ausfuehren]
    D -->|Nein| T[Tool direkt nutzen]
    S --> F[Ergebnisse in Dateien oder Kontext ablegen]
    T --> F
    F --> R{Weitere Schritte offen?}
    R -->|Ja| P
    R -->|Nein| A[Endergebnis]

Grenzen und Debugging

DeepAgents spart Code, versteckt aber auch mehr Logik.

Typische Grenzen

  • Weniger direkte Kontrolle als bei manuell gebautem LangGraph
  • Interne Abläufe sind nicht so transparent wie ein selbst definierter Graph
  • Frühe API-Versionen können sich schneller ändern
  • Debugging setzt weiterhin LangGraph-Grundverständnis voraus
  • Noch keine Produktionsreife wie Claude Code (kein Jahr Praxiserfahrung)

Reifegrad (Stand 0.6.1)

Dimension Bewertung Begründung
API-Stabilität ⚠️ Mittel subagents=-Interface hatte Breaking Change ohne Migration-Guide
Versionsstabilität ✅ Besser 0.5.x → 0.6.x ohne Breaking Changes
Features ✅ Solide Planning, Filesystem, Sub-Agenten, Profiles, Middleware vollständig
Dokumentation ⚠️ Lückenhaft Parameter wie backend, context_schema kaum dokumentiert
Produktionsreife ❌ Nicht empfohlen < 1 Jahr Praxiserfahrung, kein 1.0, kein SLA
Ökosystem ✅ Gut LangGraph-nativ — Checkpointer, Streaming, LangSmith out-of-the-box

Gesamturteil: Für Experimente, Prototypen und Kurse gut geeignet. Für Production-Einsatz LangGraph direkt bevorzugen — bis v1.0 sich das ändert.

Das “Trust the LLM”-Modell und Security

DeepAgents verfolgt eine bewusst offene Philosophie — aus dem README:

“Deep Agents follows a ‘trust the LLM’ model. The agent can do anything its tools allow. Enforce boundaries at the tool/sandbox level, not by expecting the model to self-police.”

Das bedeutet:

  • Grenzen werden nicht durch Model-Prompts gesetzt
  • Grenzen entstehen durch Tool-Konfiguration und Sandbox-Wahl
  • Ein Agent mit breitem Filesystem-Zugriff und ohne Sandbox kann alles, was Tools erlauben

Das ist eine Designentscheidung, keine Schwäche — aber wer DeepAgents produktiv einsetzt, trägt die Verantwortung für saubere Tool-Grenzen.

Praktische Hinweise

  • Versionen pinnen
  • Kleine Tools statt Monolithen bauen
  • System-Prompts klar halten
  • Traces regelmäßig prüfen (LangSmith)
  • In Produktion: Sandboxes für Code-Ausführung verwenden

Deshalb gilt:

  • Für Lerntransparenz, präzises Routing und kontrollierte Abläufe ist LangGraph oft besser.
  • Für autonome, längere Aufgaben mit Planning und Delegation ist DeepAgents attraktiv.

Einordnung im Kurskontext

DeepAgents ist am nützlichsten, wenn bereits ein Fundament vorhanden ist:

  • Tool-Nutzung
  • Strukturierte Ausgaben
  • State-Denken
  • Routing
  • Multi-Agent-Muster

Dann wird klar, was das Harness tatsächlich leistet:

  • Es ersetzt nicht das Verständnis der Mechanik.
  • Es verpackt bekannte Mechaniken in ein schneller nutzbares Gerüst.

Kurzform:

  • LangGraph lernen, um agentische Abläufe zu verstehen
  • DeepAgents nutzen, um bestimmte komplexe Muster schneller aufzubauen

Zusammenfassung

DeepAgents ist ein komfortabler Harness-Ansatz für agentische Systeme mit:

  • Planning (No-Op-Mechanismus als Context Engineering)
  • Dateibasiertem Arbeiten mit austauschbaren Backends
  • Sub-Agenten für parallele Delegation
  • Integrierter Tool-Nutzung
  • Provider-Agnostik (100+ Anbieter)
  • Profiles API — modell-spezifische Optimierung, eingebaute OpenAI/Anthropic-Profile
  • Middleware — Tool-Call-Wrapping, CodeInterpreterMiddleware (experimentell, ab 0.6.0)
  • CLI mit Web-Suche, HITL, MCP und persistentem Gedächtnis

Die Stärke liegt in schneller Umsetzung komplexerer, langlaufender Aufgaben — ohne Provider-Bindung. Die Kehrseite ist geringere Transparenz gegenüber einem manuell modellierten LangGraph sowie noch fehlende Produktionsreife (kein v1.0, kein SLA).

Reifegrad auf einen Blick: Gut für Experimente und Kurse — für Production-Einsatz bis v1.0 warten.

Für den Einstieg empfiehlt sich daher folgende Reihenfolge:

  1. LangChain-Grundlagen
  2. LangGraph-Grundlagen
  3. Multi-Agent- und Kontrollmuster
  4. Erst dann DeepAgents

So bleibt sichtbar, wo das Harness vereinfacht und wo weiterhin LangGraph-Denken im Hintergrund wirkt.

Abgrenzung zu verwandten Dokumenten

Dokument Frage
Erste Agenten Wo starte ich als Einsteiger mit DeepAgents?
Qualität und Sicherheit Welche Produktionsstandards gelten für DeepAgents?

Version: 1.4
Stand: Mai 2026 (DeepAgents 0.6.1)
Kurs: KI-Agenten. Verstehen. Anwenden. Gestalten.